Hauptinhalt

Für Kinder, Jugendliche und junge Volljährige mit Behinderung

Heilpädagogische Tagesstätten (HPT) sind teilstationäre Einrichtungen zur Erziehung, individuellen Förderung und Bildung, Pflege und Betreuung von Kindern, Jugendlichen und jungen Volljährigen mit Behinderung im Alter von 3 bis zum Ende der Schulzeit. Der Betrieb einer HPT erfordert eine Erlaubnis nach § 45 Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII), die von der zuständigen Bezirksregierung erteilt wird.

Heilpädagogische Tagesstätten müssen hohe fachliche Standards erfüllen. Die genauen Festlegungen können Sie in den staatlichen Richtlinien für Heilpädagogische Tagesstätten, Heime und sonstige Einrichtungen für Kinder und Jugendliche und junge Volljährige mit Behinderung nachlesen.

Heilpädagogische Tagesstätten sind konzeptionell eigenständige und inklusiv orientierte Einrichtungen. Sie bieten Kindern, Jugendlichen und jungen Volljährigen mit Behinderung und von Behinderung bedrohten Kindern und Jugendlichen in kleinen Gruppen vor allem individuelle heilpädagogische und therapeutische Förderung sowie unterstützende Leistungen zur gleichberechtigten Teilhabe an Bildung und am Leben der Gemeinschaft. Sie achten und gewährleisten die Würde der Kinder, Jugendlichen und jungen Volljährigen und ihr Recht auf Förderung ihrer Entwicklung und Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. Sie garantieren die Grundrechte und die Rechte, die sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention, der UN-Kinderrechtskonvention und des Bundeskinderschutzgesetzes ergeben, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, ethnischer Zugehörigkeit, Entwicklungsstand und Einsichtsfähigkeit der Betreuten.

Sie fördern die Fähigkeit zur Kommunikation, zu größtmöglicher Mobilität, zu sinnvoller Eigenbeschäftigung und Freizeitgestaltung sowie den Erwerb und Erhalt lebenspraktischer Fähigkeiten und Fertigkeiten. Ziel ist die möglichst selbstbestimmte und eigenverantwortliche Teilhabe am Leben der Gemeinschaft. Sie unterstützen und ergänzen die Familienerziehung. Sie bieten auch in Teilen der Ferien alters- und entwicklungsgemäße Angebote. Sie legen großen Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit der Schule und mit Kindertageseinrichtungen. Sie öffnen sich dem Gemeinwesen. Dem Ziel der Inklusion folgend werden auch Außengruppen von Heilpädagogischen Tagesstätten an Regelschulen oder Kindertageseinrichtungen betrieben.

Aufgenommen werden Kinder und Jugendliche mit Behinderung, die einen Anspruch auf Leistungen der Eingliederungshilfe nach SGB XII haben. Die Kosten der Betreuung übernimmt dann der zuständige Sozialhilfeträger, bis auf einen geringen Beitrag zur häuslichen Ersparnis. Unter bestimmten konzeptionellen Voraussetzungen und in geringerer Zahl können auch Kinder und Jugendliche aufgenommen werden, die Leistungen nach SGB VIII erhalten.

In heilpädagogischen Tagesstätten erhalten Kinder und Jugendliche mit Behinderung eine optimale Förderung.

Umfassende individuelle Förderung

Heilpädagogische Tagesstätten setzen vor allem die Erkenntnisse der Heilpädagogik um und streben eine umfassende Förderung der Kinder und Jugendlichen an. Für jedes Kind wird ein individueller Förder- und Entwicklungsplan erstellt, der spezifische Hilfen für die Entwicklung einer ausgeglichenen Persönlichkeit, die Befähigung zu einer selbstständigen und selbstbestimmten Lebensführung und zur Befähigung einer umfassenden Teilhabe am Leben der Gemeinschaft enthält.

Einzel- und Gruppenbetreuung

Die Kinder und Jugendlichen werden sowohl in Gruppen von sechs bis zwölf Plätzen als auch einzeln von zumeist heilpädagogisch ausgebildeten Fachkräften gefördert und betreut. Die meist heterogen besetzten und altersgemischten Gruppen dienen den Kindern und Jugendlichen als soziales Lernfeld. Sie vermitteln emotionale Zugehörigkeit und bieten geeignete Orte, um selbstständige, eigenverantwortliche und sozial orientierte Handlungsweisen zu erlernen.

In der Einzelförderung werden vor allem therapeutische Fachdienste wie Logopädie, Krankengymnastik, Ergotherapie, Musiktherapie oder Spieltherapie angeboten, um die individuellen Förderziele zu erreichen.

Da eine Heilpädagogische Tagesstätte auch eine die Familien ergänzende und entlastende Einrichtung ist, sind die Sorgeberechtigten bei allen wesentlichen Entscheidungen zu beteiligen und einzubinden.

Betreuungszeiten und -personal

Heilpädagogische Tagesstätten haben in der Regel an Schultagen und an Nachmittagen geöffnet. Viele Tagesstätten bieten auch Ferienbetreuungen an. Die Personalbemessung der Einrichtung richtet sich nach der Zusammensetzung der Gruppen und dem individuellen Hilfebedarf des Einzelnen. Pro Gruppe stehen mindestens anderthalb Stellen zur Verfügung.