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Zukunftsfähige Arbeit und Beschäftigung

Wohlstand ist ohne ein effektives Zusammenwirken der Wirtschafts-, Fiskal-, Bildungs-, Sozial und Arbeitsmarktpolitik nicht denkbar. Technischer und wissenschaftlicher Fortschritt sind für den Arbeitsmarkt Chance und Herausforderung zugleich – ebenso wie Globalisierung und demografischer Wandel. Bevölkerungsentwicklung und Alterung der Bevölkerung sind in den Regionen und Einzugsgebieten Bayerns höchst unterschiedlich. Dies muss bei allem politischen Tun berücksichtigt werden.
Bevölkerungsrückgang und -alterung führen zu einem Fachkräftebedarf auf allen Ebenen in ganz Deutschland. Laut einer Studie von Prognos wird für Bayern insgesamt bis 2030 allein im Akademikerinnen- und Akademikerbereich mit einer Arbeitskräftelücke von rund 330.000 Hochschulabsolventinnen und -absolventen gerechnet. Der Akademikermangel bezieht sich vor allem auch auf den MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Eine ähnliche Entwicklung gibt es im Bereich der Absolventinnen und Absolventen eines beruflichen Abschlusses. Hier wird bis 2030 mit einer Lücke von rund 760.000 Arbeitskräften gerechnet. Dabei sind Effekte, die sich aus einer steigenden Erwerbsneigung und -quote, von mehr Vollzeitstellen, einem späteren Renteneintrittsalter und einer kürzeren Schul- und Ausbildungszeit sowie höherer Produktivität in Arbeitsmärkten mit geringerer Arbeitslosigkeit ergeben können, nicht berücksichtigt.

Ziele

Damit Bayern seine herausragende Position innerhalb Deutschlands und im internationalen Wettbewerb halten kann, ist ein eindeutiges Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft unverzichtbar: Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und die anderen Sozialpartner sind Eckpfeiler der Wirtschafts- und Sozialordnung. Eine Aufgabe der Wirtschaft besteht darin, den Fachkräftenachwuchs durch Angebot von geeigneten Ausbildungsplätzen, auch für benachteiligte Jugendliche, und Angebote an betrieblicher Fort- und Weiterbildung sicherzustellen. Gut ausgebildete und loyale Arbeitskräfte befördern die Entscheidung der Unternehmen für den Standort Bayern und für qualitativ hochwertige Arbeitsplätze in ganz Bayern. Eine besondere Herausforderung besteht vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Trends zu höheren Qualifikationen der Beschäftigten, einhergehend mit einer eher abnehmenden Nachfrage nach Beschäftigten für einfache Tätigkeiten.
Erwerbsarbeit ist für alle Bevölkerungsgruppen wichtig und notwendig, da sie gesellschaftliche Teilhabe, Integration und Anerkennung ermöglicht. Arbeit ist ein Bereich der Sinngebung. Arbeit sichert den Lebensunterhalt oder trägt zumindest dazu bei und beugt Armut vor. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist Arbeit - neben Kapital, Innovation und guten Institutionen - Grundlage von Wachstum und Wohlstand.
Das Vollzeit-Normalarbeitsverhältnis muss die Regel bleiben. Das Bedürfnis der Wirtschaft nach flexiblen Lösungen wird anerkannt. Deren Auswirkungen werden bei künftigen Arbeitsmarkt- und Sozialversicherungsreformen mitberücksichtigt.
Der Herausforderung des Fachkräftebedarfs wird im Wesentlichen mit Investitionen in Bildung, der Aktivierung zusätzlicher Beschäftigungspotentiale und gesteuerter Zuwanderung begegnet. Das vorhandene Beschäftigungspotential muss noch stärker als bislang ausgeschöpft werden, wenn im nationalen Vergleich hohe volkswirtschaftliche Wachstumsraten auch nach 2020 erzielt werden sollen. Es muss zu einer weiteren Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderungen und Geringqualifizierten in den Arbeitsmarkt kommen. Die Arbeitsbedingungen in Bayern müssen für in- und ausländische Fachkräfte und Hochqualifizierte attraktiv sein, auch um der Abwanderung ins Ausland zu begegnen und Rückkehrpotenziale optimal zu nutzen.

Die Schaffung produktivitätsfördernder und arbeitnehmergerechter Arbeitsbedingungen sowie die Berücksichtigung der Bedürfnisse bestimmter Arbeitnehmergruppen sind ebenso unverzichtbar wie betriebliche Maßnahmen, die den Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand erleichtern. Andererseits wird die Arbeitswelt künftig von den Beschäftigten ein noch höheres Maß an Flexibilität, insbesondere unter dem Aspekt der beruflichen Mobilität verlangen.

Einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit müssen Maßnahmen der Gesundheitsförderung, altersgerechte Arbeitsbedingungen und Qualifikationsmöglichkeiten ge-genüberstehen. Dem Grundsatz des Lebenslangen Lernens muss durch Unternehmen und Verwaltungen, Beschäftigte und Bildungseinrichtungen noch stärkeres Gewicht verliehen werden. Das ist für die moderne Arbeitswelt unverzichtbar.
Unternehmen und Verwaltungen in Bayern müssen einen vorausschauenden, präventiven und adäquaten Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz gewährleisten und dem Grundsatz der Vereinbarkeit von Familie und Beruf Rechnung tragen. Dies schließt alle Lebensphasen ein, von der Erziehung der Kinder bis hin zur Pflege von Angehörigen. Aus Gründen der Familienarbeit unterbrochene Erwerbsbiografien sollen in der Gesellschaft und im Arbeitsleben stärker anerkannt werden. Familiäres Engagement ist kompetenzfördernd.

Die arbeitmarktpolitischen Instrumente des Bundes und des Freistaates Bayern müssen zielgenau den Bedürfnissen des bayerischen Arbeitsmarktes entsprechend eingesetzt werden. Hierzu bedarf es einer engen Abstimmung zwischen der Bundesagentur für Arbeit, der Bayerischen Staatsregierung und den Kommunen.

Ziel der Staatsregierung ist es, unter Berücksichtigung der Wirtschaftsentwicklung und der Interessen der Erwerbspersonen darauf hinzuwirken, dass bis 2020 – ohne die Bedeutung der Familienarbeit und Wahlfreiheit für eine eigene Kindererziehung außer Acht zu lassen:

  • die Erwerbstätigenquote der 15 bis 64-Jährigen sich von derzeit 75 % (2008) in einem Korridor von etwa 2 bis 4 % auf rund 77 bis 79 % erhöhen kann und damit auch weiterhin in Deutschland einen Spitzenwert erreicht,
  • die Erwerbstätigenquote Älterer (55 bis 64 Jahre) von derzeit 56,3 % (2008) sowie die Erwerbstätigenquote von Frauen (15 bis 64 Jahre) von derzeit 67% (2008) überdurchschnittlich ansteigen kann,
  • die Erwerbstätigenquote von Migrantinnen und Migranten (15 bis 64 Jahre) von gegenwärtig gut 60 % – insbesondere durch einen Abbau der Arbeitslosigkeit und geeignete migrantenspezifische Maßnahmen – zu steigern und der Erwerbstätigenquote der Gesamtbevölkerung anzunähern,
  • Bayern im Ländervergleich bei der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen eine Spitzenposition einnimmt, die Teilnahme der Erwerbspersonen, insbesondere auch der älteren Erwerbspersonen, an beruflicher Weiterbildung von derzeit 20 % auf 30 % erhöht wird.

Maßnahmen

Für eine nachhaltige Beschäftigungsentwicklung und eine Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist eine innovative und für den bayerischen Arbeitsmarkt maßgeschneiderte aktive Arbeitsmarktpolitik notwendig. Die arbeitsmarktpolitischen Instrumente der Bundesagentur für Arbeit sind zum einen auf die Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit und Qualifizierung sowie den erfolgreichen Berufseinstieg auszurichten; zum anderen auf die Vermeidung des Eintritts von Arbeitslosigkeit und die Verkürzung der Dauer von Arbeitslosigkeit.

Bayern unterstützt die Erschließung des Arbeitsmarktes für alle Personengruppen und damit die weitere Steigerung des hohen Beschäftigungsniveaus durch eine zielgerichtete Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen im Arbeitsmarktbereich. Die wichtigsten Instrumente hierfür sind der Arbeitsmarktfonds (AMF) und der Europäische Sozialfonds (ESF). Aus dem AMF stehen im Jahr 2010 Mittel in Höhe von rund 6,2 Mio. Euro zur Verfügung. Im Rahmen des Bayerischen ESF-Programms stehen für den Förderzeitraum 2007 – 2013 rund 310 Mio. Euro zur Verfügung.

Von wesentlicher Bedeutung im Zusammenhang mit der Schaffung zukunftsfähiger Arbeit und Beschäftigung sind die Stärkung der beruflichen Weiterbildung und die Verankerung des Grundsatzes des Lebenslangen Lernens.

Die Staatsregierung stellt sich den Herausforderungen einer älter werdenden Arbeitswelt und hat mit Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit im März 2011 die Initiative „Ältere und Arbeitswelt“ ins Rollen gebracht. Ziel ist es, die Arbeitsmarktsituation Älterer zu verbessern und die Erwerbstätigkeit stärker in Einklang mit den Bedürfnissen einer älter werdenden Gesellschaft zu bringen. Unter Beteiligung aller Partner werden konkrete Handlungsempfehlungen zu den Themen Weiterbildung, Gesundheitsmanagement und demografieorientierte Arbeitsorganisation (u. a. innovative Arbeitszeitmodell und Lebensabschnittsmanagement) erarbeitet. Die Initiative ist als längerfristiger Prozess angelegt.

Mit dem Arbeitsschutzmanagementsystem OHRIS der Gewerbeaufsicht sowie dem ganzheitlichen System der betrieblichen Gesundheitsförderung GABEGS des Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen wird der Ge-sundheitsschutz am Arbeitsplatz in Bayern weiter verbessert.
Mit Landesmitteln (3,5 Mio. Euro jährlich) und aus Mitteln des ESF (25 Mio. im För-derzeitraum 2007 bis 2013) werden Qualifizierungsmaßnahmen zur Integration von Migrantinnen und Migranten in den ersten Arbeitsmarkt gefördert. Künftig sollen verstärkt auch Maßnahmen zur Förderung interkultureller Kompetenzen unterstützt werden.

Bayern setzt sich für ein effizientes bundesweites Anerkennungsverfahren für ausländische Bildungszeugnisse ein.
Die Staatsregierung fördert die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben jährlich mit erheblichem Mitteleinsatz der Ausgleichsabgabe (2010: rund 31 Mio. Euro). Zur Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze und zur beruflichen Integration und Betreuung schwerbehinderter Menschen werden darüber hinaus bis 2015 rund 16,5 Mio. Euro zusätzlich eingesetzt. Für die berufliche Qualifizierung stehen im Förderzeitraum 2007 bis 2013 ESF-Mittel in Höhe von rund 4,7 Mio. Euro zur Verfügung.

Zusätzliche Informationen

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