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Bildschirmbrille

Rechtliche Grundlagen

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge Anhang Teil III Abs. 2 Satz 1. Tätigkeiten an Bildschirmgeräten:

Die Pflicht zum Angebot einer Untersuchung beschränkt sich auf eine angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens. Erweist sich aufgrund der Ergebnisse dieser Untersuchung eine augenärztliche Untersuchung als erforderlich, so ist diese zu ermöglichen. § 5 Abs. 2 gilt entsprechend für Sehbeschwerden. Abweichend von § 3 Abs. 2 Satz 1 i. V. m. § 7 Abs. 1 kann die Durchführung eines Sehtests auch durch andere fachkundige Personen erfolgen.

Den Beschäftigten sind im erforderlichen Umfang spezielle Sehhilfen für ihre Arbeit an Bildschirmgeräten zur Verfügung zu stellen, wenn Untersuchungsergebnis ist, dass spezielle Sehhilfen notwendig und normale Sehhilfen nicht geeignet sind.

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Definition

Eine Bildschirmbrille (spezielle Sehhilfe) ist an die besonderen Bedingungen und die individuellen Sehanforderungen der Bildschirmarbeit des Beschäftigten angepasst. Sie eignet sich nicht als Alltagsbrille. So ist z.B. das Führen eines Fahrzeugs mit einer Bildschirmbrille eine grob fahrlässige Gefährdung für sich und andere. Bildschirmbrillen können mit Einstärken-, oder Mehrstärkengläsern (Bifokalgläser, oder spezielle Bildschirmgleitsichtgläser) ausgestattet sein.

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Altersbedingte  Veränderung des Sehens

Mit dem Alter vermindert sich das Akkommodationsvermögen (Anpassung der Augen an kurze Sehentfernungen), so dass etwa ab dem 45. Lebensjahr eine Altersnahbrille erforderlich werden kann, bei Hyperopie (Weitsichtigkeit) auch schon früher. Eine Altersnahbrille (Lesebrille) ist für die Bildschirmarbeit geeignet, wenn sie ein ausreichend großes Sehfeld besitzt und bei noch ausreichendem Akkommodationsvermögen scharfes Sehen auf Entfernungen zwischen Tastatur (ca. 40 cm) und Bildschirm (ca. 50 bis 70 cm) ermöglicht.

Wenn bei stärker eingeschränktem Akkommodationsvermögen die Altersnahbrille für die Bildschirmarbeit nicht mehr ausreicht, oder die Universalgleitsichtbrille zwar für den Alltag ausreicht, aber zu Beschwerden bei der Bildschirmarbeit führt, ist eine Bildschirmbrille notwendig.

In der Regel gilt: Wer bei der Bildschirmarbeit keine asthenopischen (fehlsichtigkeitsbedingte) Beschwerden hat und dessen Visus (Sehschärfe) die Kriterien nach G 37 (Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung "Bildschirmarbeitsplätze") erfüllt, benötigt keine Bildschirmbrille.

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Notwendigkeit  einer Bildschirmbrille

Die Feststellung der Notwendigkeit einer Bildschirmbrille bedarf unterschiedlichen Expertenwissens, d.h. abgestimmte Zusammenarbeit von Betriebsarzt, Augenarzt und Optiker. Dazu wird folgende, bewährte Vorgehensweise empfohlen:

Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung nach dem Grundsatz G 37 durch den Betriebsarzt

Werden bei der Sehschärfeprüfung die Mindestanforderungen nicht erfüllt, ist eine Untersuchung durch einen nach G 37 untersuchenden Augenarzt angezeigt.
Werden bei der Sehschärfeprüfung die Mindestanforderungen erfüllt, jedoch Beschwerden im Zusammenhang mit der Bildschirmarbeit angegeben, ist zunächst der Bildschirmarbeitsplatz auf ergonomische Mängel hin zu untersuchen. Sind schließlich asthenopische Beschwerden anzunehmen, ist eine Untersuchung der Augen durch einen nach G 37 untersuchenden Augenarzt angezeigt.

Zustimmung des Arbeitgebers zur Feststellung der Notwendigkeit und ggf. Anfertigung einer Bildschirmbrille

Der Arbeitgeber trägt die Kosten der für die Fertigung der Bildschirmbrille notwendigen Aufwendungen des Augenarztes und des Augenoptikers.

Nach § 11 der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) sind in den Fällen, in denen ein Leistungsträger im Sinne des § 12 des Ersten Buches des Sozialgesetzbuches oder ein sonstiger öffentlich-rechtlicher Kostenträger die Zahlung leistet, die ärztlichen Leistungen nach den Gebührensätzen des Gebührenverzeichnisses mit dem 1-fachen Satz zu berechnen (§ 5 Abs. 1 Satz 2 GOÄ). Bei der augenärztlichen Untersuchung genügen für diesen Zweck in der Regel Leistungen nach GOÄ 1, 6, 70, 1200 oder 1201, 1202, 1203, 1204 und 1207. Der Arzt hat Anspruch auf Vergütung, wenn ihm eine schriftliche Zustimmung des Kostenträgers zu diesen Leistungen vorliegt (z. B. Bestätigungsvermerk auf dem Formular "Voraussetzungen zur Gewährung einer Bildschirmbrille", siehe Weiterführende Informationen). Der Arbeitgeber kann einen Augenarzt bestimmen. In diesem Fall besteht keine freie Arztwahl für den Beschäftigten.

Eine vorherige Abstimmung zwischen Arbeitgeber und Augenarzt wird empfohlen. Weitere Leistungen können im Einzelfall nur bei individuellen Besonderheiten und entsprechend ausführlicher Begründung erstattet werden.
Vor der Fertigung der Bildschirmbrille kann sich der Arbeitgeber Angebote bei Optikern einholen.

Überlässt der Arbeitgeber dem Beschäftigten mit dessen Einverständnis, die Bildschirmbrille nach den vorgegebenen Kriterien selbst zu beschaffen, entsteht ein Kostenerstattungsanspruch, der an die Stelle des Anspruchs auf Sachausstattung tritt. Der Arbeitgeber kann in diesem Fall dem Beschäftigten vorgeben, eine für ihn geeignete Bildschirmbrille zu dem im Durchschnitt niedrigsten Marktpreis zu erwerben. Wenn der Beschäftigte eine höherwertige als die vorgesehene Standardausstattung wünscht, muss er die zusätzlichen Kosten selbst tragen.

Untersuchung durch einen nach G 37 untersuchenden Augenarzt

Dabei wird eine bereits vorhandene Alltagsbrille auf Tauglichkeit überprüft. Bei Korrekturbedarf erfolgt die Verordnung einer neuen Alltagsbrille. Dann erfolgt ein Arbeitsversuch mit dieser Brille. Ergibt die Überprüfung der Alltagsbrille, dass sie noch alltagstauglich, aber nicht für die Bildschirmarbeit geeignet ist, verordnet der Augenarzt eine Bildschirmbrille mit folgenden Angaben:

  • Refraktionswerte
  • Visus
  • Maximalakkommodation
  • Addition ausgehend von der Fernwirkung (für die kürzeste angegebene Entfernung: Tastatur oder Leseentfernung)
  • Typ der vorgesehenen Brillengläser und deren Gebrauchseigenschaften (Einstärkengläser, Bifokalgläser, oder spezielle Bildschirmgleitsichtgläser)

Kontaktlinsen und Universalgleitsichtgläser erfüllen nicht die Anforderungen an eine Bildschirmbrille. Einstärkengläser sind Bildschirmgleitsichtgläsern vorzuziehen, wenn dies die Additionswerte erlauben und das Akkommodationsvermögen ausreicht.

Brillenanfertigung

Die Brille muss den funktionellen Anforderungen des Bildschirmarbeitsplatzes des Beschäftigten genügen und entspiegelt sein. Getönte Gläser sind ungeeignet.
Bei speziellen Bildschirmgleitsichtgläsern werden anhand der angegebenen Hauptsehentfernungen die Wirkungsbereiche im Glas so angepasst, dass am Bildschirm in normaler Kopfhaltung gearbeitet werden kann (erweiterte Hauptsehbereichsbreite). Dazu müssen außerdem die Gläser bzw. die Brillenfassung ausreichend groß sein.

Bei normaler Kopfhaltung sollte der Bildschirm hauptsächlich durch die Bewegung der Augen zu überblicken sein. Lediglich im Randbereich des Bildschirms ist, durch die physikalisch bedingte Unschärfe der Brillengläser am Rand, zusätzlich die Bewegung des Kopfes notwendig.

Bei Publikumsverkehr ist der Fernteil der Brillengläser auf diese Entfernung zu korrigieren. Dies führt, technisch bedingt, zu einer Einschränkung der Sehbereichsbreite für die Bildschirmentfernung und kann, abhängig von der Addition, die Bildschirmgeeignetheit der Brille stark einschränken. Darum sind auch Universalgleitsichtgläser nicht geeignet. Vor der Fertigung der Brille ist zu prüfen, ob die Publikumsentfernung ggf. durch räumliche Maßnahmen verringert werden kann.

Der Optiker sowie der Hersteller der Gläser benötigen folgende Angaben vom Betriebsarzt:

  • Sehwinkel zwischen Horizontale und Bildschirmmitte,
  • Bildschirmdiagonale in Zoll,
  • Entfernung der Augen zum Bildschirm,
  • Entfernung zur Tastatur (oder Leseabstand, falls dieser geringer ist) und bei Publikumsverkehr Entfernung zum Publikum

Arbeitsplatzbeprobung

Der Betriebsarzt sieht sich die neue Bildschirmbrille an und prüft während eines Arbeitsversuchs des Beschäftigten an dessen Arbeitsplatz ob die Brille geeignet ist. Der Beschäftigte muss beschwerdefrei damit arbeiten können.

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Formular  "Voraussetzungen zur Gewährung einer Bildschirmbrille"

Das vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen entworfene Formular „Voraussetzungen zur Gewährung einer Bildschirmbrille“ enthält den notwendigen Minimalaufwand, damit eine geeignete Bildschirmbrille erstellt werden kann. Das Formular ist als „Laufzettel“ konzipiert, auf dem der Betriebsarzt, der Augenarzt und der Optiker bestimmte Angaben machen müssen. Fehlt eine Angabe, oder sind die Angaben nicht plausibel, besteht die Gefahr, dass die neue Brille ihren Zweck nicht erfüllt bzw. gar keine Bildschirmbrille ist. Diese Plausibilitätskontrolle ist Aufgabe des Betriebsarztes, im Rahmen der Arbeitsplatzerprobung der neuen Brille. Erst nach der Bestätigung des Betriebsarztes auf dem Laufzettel über die Eignung der Brille, sind die Forderungen des Augenarztes und des Optikers zu begleichen.

Auf dem Formular "Voraussetzungen zur Gewährung einer Bildschirmbrille" besteht kein Copyright. Es ist als freie Version herunterzuladen und kann nach eigenen Vorstellungen ergänzt und mit dem Firmenlayout versehen werden.

Die Herausgabe des Formulars und dieser Hinweise ist für das StMAS mit keinerlei Verpflichtungen verbunden. Es wird keine Haftung übernommen.

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